Liebe Gemeinde,

kennen Sie den Kirchplatz der St. Sebastiankirche in Nienberge? Dort stand ich vor ein paar Monaten vor einem Wohnhaus und drückte den Knopf der einzigen, nicht beschrifteten Klingel. Es surrte, ich drückte die Tür auf. Vor mir stand ein junger Mann: Fode, 21 Jahre alt aus Guinea. Wir lächelten uns etwas unsicher an, er führte mich in sein Ein-Raum-Appartement, das ihm die Kirchengemeinde Liebfrauen-Überwasser kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. Dort hat er Schutz gefunden vor einer drohenden Abschiebung nach Spanien: Über das Mittelmeer mit einem Schlauchboot aus Guinea geflohen war er in Spanien gelandet. Dort registriert floh er weiter nach Deutschland, von wo man ihn zurück nach Spanien abschob – in die Obdachlosigkeit. Verzweifelt reiste er wieder nach Deutschland ein und soll jetzt erneut nach Spanien geschickt werden; geschieht dies nicht innerhalb einer festgesetzten Frist, kann er in Deutschland um Asyl ersuchen. Diese Frist soll durch das Kirchenasyl überbrückt werden. Sein Aufenthaltsort ist der Ausländerbehörde bekannt und sie könnte Fode jederzeit abholen. Aber, wenn Kirchengemeinden in begründeten Ausnahmefällen Menschen Schutz gewähren, respektiert das die Ausländerbehörde in der Regel. Fode entspannt sich sichtlich in seiner sicheren Bleibe, lernt fleißig Deutsch, recherchiert nach möglichen Aus-bildungsplätzen und macht den Einbürgerungstest. In den Wochen des Ramadans kochen und essen wir zusammen. An einem Montagnachmittag besuche ich ihn, und er bekommt einen Anruf: Die Frist ist abgelaufen, Fode kann das Kirchenasyl verlassen. Der Termin für den B1-Sprachtest ist vereinbart, an seinem Wohnort ist eine Praktikumsstelle als Kanalarbeiter für ihn organisiert. Jetzt muss alles sehr schnell gehen – Fode bittet mich, ihm bei einer Dankesmail an den Pfarrer zu helfen – dabei wird deutlich, dass es mehr Menschen in der Gemeinde gibt, mit denen sich Fode verbunden fühlt und bei denen er sich bedanken möchte. Da sind noch Herr K., Frau T., Herr J., Frau R., Frau W. … Wie gut für eine Gemeinde, die Erfahrung zu machen, gemeinsam einen Menschen buchstäblich zu retten. Das findet

Christiane Berg, Mitglied des Pfarreirates