Liebe Gemeindemitglieder und Gäste in Heilig Kreuz,

„Es gibt nur einen Weg zum Glück, und der besteht darin, alles, worauf du keinen Einfluss hast, aufzugeben, darüber hinaus nichts als deinen Besitz zu betrachten, alles andere Gott und dem Schicksal zu überlassen“. Dieses Zitat des Philosophen Epiktet begleitet mich nun schon seit Jahresbeginn. Immer wieder versucht der Mensch mit einem neuen Jahr besser, stärker und glücklicher zu werden. Und jetzt, Mitte Februar? Der Glücksklee hat erste Lücken, das Croissant liegt wieder auf dem Frühstückstisch und manche Vorsätze sind leiser geworden. Dabei ist das Treffen unserer Entscheidungen die einzige Fähigkeit, die wir wirklich besitzen, der Gebrauch unseres Verstandes und Urteilsvermögens. Und stellt sich doch die Frage, sind unsere aktuellen Entscheidungen aus dem Druck gesellschaftlicher Erwartungen heraus oder treffen wir Entscheidungen auf dem Weg zu unserem eigenen Glück? Glück klingt oft wie ein ferner Zustand, fast unerreichbar. Doch vielleicht liegt es näher, als wir denken. Aber wenn wir bewusst nur unsere beeinflussbaren Entscheidungen und unser Vertrauen auf Gott nehmen, dann könnten wir dem seligen Zustand schon näherkommen. Oft ist auch in den Psalmen von Glück und Seligkeit durch Gottvertrauen die Rede – eine Kombination, die trägt (z. B. Ps 34,9; 40,5). Doch ob wir dafür den Jahresanfang benötigen, scheint fragwürdig. Leben wir mehr im Moment, in unseren bewussten Entscheidungen und in unserem Gottvertrauen, denn die Welt dreht sich weiter – und wir mit ihr. Vielleicht jeden Tag ein kleines Stück glücklicher.

Anna Berding, Mitglied des Pfarreirats

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